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Geschichte
1934 - 2004
70 Jahre Sängerkreis Bergisch-Land Remscheid
(Von der Entstehung bergischen Gesangs zum Sängerkreis Remscheid)
Nach dem im bergischen Hof Meigen bei Solingen 1801 der erste deutsche Männerchor entstand, traten auch in Remscheid 1816 die ersten, gemischten Chöre hervor. Es waren die Singegesellschaften von Reinshagen und Ehringhausen. Bald nach der Gründung richteten die Vorstände der genannten Gesellschaften Eingaben an den Bürgermeister von Remscheid. Darin baten sie um die höheren Orts zu bewirkende Genehmigung des Vereins und der vereinbarten Gesetze. Immer neue Chöre entstanden, so 1821 die auf dem Scheid und Morsbach, 1840 wurde die Remscheider Liedertafel gegründet, Vorfahre des späteren Remscheider Männergesangvereins. Sie war ein Werk des ersten städtischen Musikdirektors Carl Leberecht Lange. Er war es auch, der einen Bergischen Sängerbund gründete, sicherlich der Vorläufer unseres Sängerkreises. Große Sängerfeste fanden 1847 und 1853 statt mit damals schon über 300 Sängern. Zwischen 1860 und 1870 wurde der Kreis der konzertierenden Gesangvereine immer größer, die erste starke Gründungswelle strebte ihrem Höhepunkt zu. Nun war fast in jedem Ortsteil bzw. in jeder Hofschaft ein Gesangverein. Remscheid wurde die Stadt der singenden und klingenden Berge.
Eine neue Gründungswelle in den 90er Jahren brachte der Stadt weitere Chöre. So entstand u. a. 1894 die Glocke Hackenberg und 1897 der Honsberger Gesangverein.
1910 wurde der plattdeutsche Gesangverein "Guot Fröng" unter der Leitung von Caspar Wittkop gegründet, dessen Heimatlieder noch heute erklingen.
Der erste Weltkrieg brachte das Sängerleben zum Stillstand. Der kriegsbedingten Ruhepause folgte eine hohe Zeit im heimischen Chorwesen. Den alten Vereinen schlossen sich neue an und es waren vornehmlich Werkschöre und Arbeitergesangvereine. Sie alle wuchsen zu großer Stärke empor: Die Bergische Liedertafel zählt 150 Sänger, der Alexanderwerk Gesangsverein 106 und der Chor der Bergischen Stahlindustrie 95 Mitglieder. Überragende Berufsdirigenten formen die Chöre. Felix Oberborbeck, Edmund Siefener, Peter Weber, Heinz Mönig, Richard Händeler, Willy Wiesemann und viele mehr.
Um dieser Vielzahl der Chöre eine Struktur zu geben trat man 1927 dem Deutschen Sängerbund bei.. Im gleichen Jahr gründete Walter Ackermann den Unterbund Bergisch-Land, genaue Bezeichnung: Kreis 5 Remscheid- Rhein- Wupper, Sängergau 9b Rheinland-Nord im Deutschen Sängerbund.
Schon 1927 führte Ackermann mit großen Engagement das erste Sängerfest durch. Die Reimscheider Chorlandschaft war gefestigt und wuchs stetig. Die Machtübernahme allerdings versetzte dem heimischen Chorwesen einen schweren Schlag. Zahlreiche Arbeitergesangvereine mussten schließen. 1934 verbot die Reichsmusikkammer sämtliche Wettstreite und zensierte die Literatur. Es folgten Wertungssingen mit Prädikaten und Gutachten. Stadtparkhalle und Schauspielhaus werden Schauplatz nazistisch gelenkter Chorparaden. Hier musste jeder Gesangverein mitwirken, er durfte keine Sänger leihen, musikalisch unpassende Werke musste der Kreischorleiter zurückweisen. Die Auswirkungen waren verunglückte Fusionsbemühungen, Resignation, Mitgliederschwund. Das Ende war Krieg und Zusammenbruch. Aber es war wiederum der Kreissängerführer Walter Ackermann der in dieser schwierigen Zeit 1934 den Unterbund Bergisch-Land umstrukturierte und somit den Sängerkreis Bergisch-Land Remscheid gründete und beim Vereinsgericht eintragen ließ. Nach der Kapitulation rief Ackermann alle Zuhausegebliebenen u. Frühheimkehrer in ihren Vereinen wieder zusammen. Viele waren gefallen oder vermisst, manche kehrten erst nach Monaten oder Jahren zurück. Doch die karge Zeit half den Chören. Neue Mitglieder wurden Gefunden und in der RTV-HaIIe und der EMA gab es die ersten Konzerte.
Es zeigte sich schnell, dass die Vereine auf dem richtigen Weg waren. Damit man auch überregional vertreten war entschloss man sich 1951 dem wiedergegründeten Deutschen Sängerbund beizutreten. Mit besonderer Freude wurde dieser Schritt vom damaligen DSB-Präsidenten Anton Pesch begrüßt.
Um den Chorgesang möglichst vielen Menschen zugänglich zu machen veranstaltete der Sängerkreis immer wieder Wertungssingen und Gemeinschaftskonzerte. Für die musikalischen Belange zeichnete der aus Remscheid stammende Kreischorleiter Hajo Kelling verantwortlich.
Im Jahr I962 gehörten mittlerweile 88 Chorgemeinschaften mit über 2500 Aktiven dem Sängerkreis an.
Einen herben Schlag musste der Sängerkreis im Jahre 1965 hinnehmen: Am 20. Juli verstarb der Sängerkreisvorsitzende Walter Ackermann. 36 Jahre lang hatte er an der Spitze seines Kreises gestanden, es war sein Leben, sein Lebenswerk.
Nun übernahm sein Sohn Ferdi Ackermann dieses Amt, und konnte die solide Basis weiter ausbauen. Er kannte sich gut aus, da er schon einige Jahre an der Seite seines Vaters tätig war. Ein gut funktionierender Vorstand war nunmehr auch unter Ferdi Ackermann Garant für die Bewältigung der vielseitigen Aufgaben des Sängerkreises. Einige Stationen mögen hier erwähnt werden wie die Ausrichtung der Bergischen Chorfeste 1968 und 1979 in Remscheid. Ebenso die Durchführung des Sängertages des Sängerbundes NRW mit der Zelterplakettenverleihung im Jahre 1971. Nach Hajo Kelling prägten namhafte Kreischorleiter wie Dr. Bert Vos, Gus Anton, Dietmar Häger sowie Martha Martin (Berg) diesen Sängerkreis.
Der 2. Dezember 1990 ging als schwarzer Tag in die Analen des Kreises ein. Mit nicht einmal 66 Jahren verstarb nach fast einjähriger Krankheit der Kreisvorsitzende Ferdi Ackermann. Viel zu früh musste er seinen Sängerkreis verlassen. Er war beliebt, er hatte den Kreis geprägt, ein herber Verlust. Aber die Arbeit musste weitergehen und so übernahm sein Sohn Dirk. der bereits seit 1969 als 2. Vorsitzender fungierte, kommissarisch den Vorsitz. Auf dem Sängertag im April 1991 wurde er dann einstimmig zum neuen Sängerkreisvorsitzenden gewählt. Es war die 3. Generation Ackermann, eine Einmaligkeit, auch im Deutschen Sängerbund.
Trotz Kürzung von Zuschüssen und Mitgliederschwund konnten bis zum heutigen Tag gemeinsame Veranstaltungen, Seminare und Lehrgänge durchgeführt werden, ist der Sängerkreis mit seinen Chören aus der kulturellen Landschaft seiner Heimatstadt Remscheid nicht mehr wegzudenken. Allen Sängerinnen und Sängern aus den Mitgliedschören sei an dieser Stelle ein herzliches Dankeschön ausgesprochen.
Aktuell zählt der Sängerkreis 52 Chöre aus Remscheid, Wermelskirchen, Radevormwald, Wuppertal (1 Chor MGV Herbringhausen) sowie Solingen (1 Chor MGV Burg). Erfreulich auch die Tatsache, dass 2003/2004 neue Chöre in den Sängerkreis aufgenommen wurden. Dies sind: Ensemble TON in TON, Remscheider Dis-Harmoniker, Remscheider Vokalensemble und die Irish-Folk Gruppe Catalpa.
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